Gusto – Bewertung

Drinnen authentische, stilvoll ländliche Gemütlichkeit, draußen sehr gepflegte Biergarten-Atmosphäre unter alten Kastanienbäumen. Im Gasthaus zum Goldenen Krug wird einerseits bodenständig die bayrische Tradition gepflegt, aber eben auch mit gehobenem Anspruch und Weitblick über den Tellerrand hinaus bewirtet und aufgetischt. Mit Faible für gute Weine und verfeinerte Küche. So stehen hier Rinderkraftbrühe und Wiener Kalbsschnitzel mit Röstkartoffeln neben Seeteufel mit Chorizo und Fregola Sarda im Tomatenfond oder einem Entrecôte vom Wagyu-Beef und sprechen
ein breites Publikum an.

Das fünfgängige Feinschmeckermenü ab zwei Personen gibt’s nur auf Vorbestellung, womit es für uns zur Bewertungsfindung nicht relevant ist. Aber auch das reguläre Speisenprogramm bietet weit mehr, als man in einem oberpfälzischen Landgasthof gemeinhin erwarten würde. Man kann hier zwar auch zünftige Schmankerl von der Brotzeitkarte ordern – das Herz der beiden jungen Cuisiniers Peter Grasmeier und Benjamin Staudigl, die den Goldenen Krug Mitte 2016 übernommen haben, schlägt aber besonders für den ambitionierteren Küchenstil ihres Gasthauses. Und der ist zeitgemäß, aber nicht modisch, setzt auf klassische Werte und will mehr mit Qualität und Solidität überzeugen, nicht mit Show.

Das kann man schon an Dingen wie dem kalten Roastbeef mit Schalotten-/Balsamicovinaigrette, Gartenkresse und gehobelten Parmesanspänen erkennen, bei dem sich das mild gewürzte Fleisch mit saftigem Rindfleischgeschmack zwischen der Süße von eingelegten Balsamico-Schalotten und der Umamiwürze des Parmigiano schmeckbar wohlfühlt. Die annoncierte Gartenkresse war in unserem Fall zwar nur Rucolasalat, konnte aber den guten Eindruck nicht schmälern.

Noch etwas raffinierter präsentierte sich die hausgemachte lauwarme Pulpoterrine: Nicht zu weiche, nicht zu feste und nur angenehm mild gewürzte Tentakel des Kraken, in Terrinenform gepresst und in zwei Scheiben an einer aromatischen Limetten-/Basilikumvinaigrette angerichtet. Würzige Akzente kamen hier auch durch die mit etwas Knoblauch und frischen Kräutern gegrillten Calamaretti ins Spiel und die sauber enthäuteten geschmolzenen Kirschtomaten sorgten auf der anderen Seite für natürliche Süße, etwas Säure und Frische, so dass man es – auf Basis einfacher Mittel – auch wieder mit einem ausgewogenen Geschmacksbild zu tun hatte.

Schön, dass in Mintraching das „Tri Tip“ vom Wagyu-Beef nicht bloß dem Bürgermeister vorenthalten ist, denn so kamen auch wir in den Genuss dieses schön kräftig marmorierten und trotz seiner kernig-kräftigen Fleischstruktur zart und schmelzig über den Gaumen gleitenden Delikatesse. Die Küchenchefs gratinierten das auch als „Bürgermeisterstück“ bekannte Rindfleisch mit einer dünnen, herzhaften und flockigen Kruste aus Panko, an der wir auch etwas Senf erschmeckten. Die noch recht bissfesten glasierten Wurzelgemüse und die fluffigen hausgemachten Kräuterkroketten waren ihm eine gediegene Begleitung. Den Szechuanpfeffer in der Jus konnte man immerhin erahnen…

Deutlich intensiver, aber nach unserem Gusto schon etwas too much, duellierten sich die markanten Aromen von Lavendel und grünem Pfeffer beim Dessert. Der leicht bitteraromatische Lippenblütler am Weinbergpfirsich machte sich sehr gut, wirkte im Einklang mit dem rahmig-schmelzigen Eis von grünem Pfeffer aber etwas kantig und leicht beißend. Nicht wirklich unharmonisch, aber eben auch nicht ganz perfekt aufeinander abgestimmt. Ein Lob gebührt in jedem Fall auch der gepflegten Weinkultur im Goldenen Krug, die sich hier nicht in großen Namen und überbordender Angebotstiefe ausdrückt, sondern eher in preiswerten Entdeckungen, die vom Gastgeber mit Begeisterung offeriert werden.