Gusto Bewertung 2020 / 21

Die schlechte Nachricht zuerst: wer an diesem Standort noch in den Genuss der Speisen und des Service von Peter Grasmeier und Benjamin Staudigl kommen möchte, muss sich sputen, denn zum Jahresende schließen die beiden jungen Gastronomen den Goldenen Krug. Die gute Nachricht: wer es bis dahin nach Mintraching schafft, wird kulinarisch belohnt! Denn die lockere Mischung aus gehobenem Gasthaus und Gourmet, aus gemütlich-stilvollem Ambiente und frischem Spirit macht viel Spaß! Drinnen in authentischer, stilvoll ländlicher Gasthaus-Gemütlichkeit, draußen bei sehr gepflegter Biergarten-Atmosphäre unter alten Kastanienbäumen.

Wenn schon zum Einstieg in einem kleinen Gläschen ein so intensiver „Aufwecker“ wie die wolkenzarten Steinbutt-Nockerl in einer dichten Chorizo-Schaumsauce mit viel aromatischem Zug und präzisen Kopfnoten von Paprika und Koriander auf den Tisch kommt, kann es eigentlich nicht schlecht weiter gehen…

…und ging es beim letzten Besuch auch nicht. Im Gegenteil: der magere, kurz und kräftig abgeflämmte Thunfisch (glaubhaft aus Wildfang) ergab mit einer Art Ponzu-Vinaigrette, knackigen Gurken-Juliennes, der herben Säure von Grapefruit und mild pufferndem Gurkenespuma einen mit wenigen Schritten auf den Punkt gebrachten ersten Gang. Spätestens an dieser Stelle wurde klar, dass hier jemand am Herd steht, der genau weiß, was er macht und deshalb auch mit relativ wenig Aufwand für Spannung sorgen kann.

Das gleiche Prinzip funktionierte auch – und sogar noch schlagkräftiger – bei den röstig-glasig gebratenen Jakobsmuscheln (sehr gut!), die mit deutlicher nachhallender Schärfe gewürzt nebst gegrillter Wassermelone in einer konzentrierten Tomatenessenz schwammen, die dezent mit etwas Kräuteröl marmoriert war. So unkompliziert und zugleich komplex muss man das erst einmal hinzaubern. Fein!

Beim Iberico-Pluma gefiel neben dessen naturgemäß schmelziger und charakterstarker Qualität erneut der pointierte Dreiklang drumherum. In diesem Fall mit kleinen Nocken von Auberginen-Kompott und gegrillter roter Paprika mit einer animierenden Mischung aus Umami, Bitterkeit und Frucht sowie der lockerflockigen Gremolata mit den typischen Noten von Knoblauch, Zitronenschale und Petersilie. Und wie bei allen Gerichten zeigte auch die transparente elegante Jus den Könner im Saucen-Metier. Sämtliche Saucen, Vinaigrettes und Emulsionen würden prima auch in noch höher ambitionierte (und bewertete) Konzepte passen.

Zum Abschluss wagte sich das Team an den im süßen Bereich nicht eben leichten Kürbis, umschiffte mögliche Stolperfallen aber gekonnt, indem es eher die nussigen Seiten des Kürbis in den Vordergrund stellte – unter anderem in einem erneut exzellenten klaren Fond mit Kernöl – und ihn mit nussbuttrig karamellisierter weißer Schokladencreme, gelbfruchtig säurefrischer Mirabelle, einem (minimal körnigen) Joghurteis und Minze angenehm lebendig begleitete.

Zu alldem gibt es lohnende korrespondierende Weinempfehlungen, mit Gespür für passende Pairings ausgewählt und auch im eher unteren und mittleren Preissegment interessant. Und im Zweifel findet sich spätestens im Gespräch mit dem unkompliziert zugewandten Service sicher etwas Passendes. So hoffen wir sehr, dass es nach 2020 ein Wiedersehen an anderer Stelle gibt und wünschen dem Team für die neuen Aufgaben maximalen Erfolg.